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KI gestalten statt hinterherlaufen

Wie Tarifverträge und sozialer Dialog den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt besser gestalten können

Panel mit Oliver Philipp und Benjamin Schreiber von der FES
Urheber: FO

Zwar hat Europa, wenn es um die Gestaltung des Umgangs mit KI geht, die Nase keineswegs vorne.

Doch gewinnt das Thema der KI-Regulierung bei den Sozialpartnern rasant an Bedeutung. Der Handlungsdruck wächst, weil KI in den Unternehmen schneller eingeführt wird, als Regulierung und sozialer Dialog Schritt halten können.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Brüsseler FES-Büros „Zukunft der Arbeit“. Die Studie „Tarifvertragliche Regelungen zu Künstlicher Intelligenz und algorithmischem Management im europäischen Dienstleistungssektor“ wurde im Vorfeld des Kongresses der Gewerkschaft Force ouvrière in Dijon von der FES Frankreich vorgestellt.

Die Studie, gemeinsam mit UNI Europa verfasst, gleicht die Ergebnisse einer europaweiten Befragung von Gewerkschaftsvertreter_innen mit einer systematischen Auswertung nationaler Tarifverträge zum Einsatz von KI im Dienstleistungssektor ab. Mit der Ausgabe 2025 liegt die Studie bereits zum zweiten Mal vor. Die erste Ausgabe erschien 2023. Sie zeigt deutlich: Seit 2023 nimmt KI auf der Agenda der Sozialpartner einen festen Platz ein, und gleichzeitig wachsen die Herausforderungen für die Gewerkschaften im Umgang mit dem Thema spürbar.

Die wichtigste Botschaft der Studie ist: Gute Gesetze allein reichen nicht aus. Weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene schaffen sie bislang einen ausreichenden Ordnungsrahmen für den Einsatz von KI in der Arbeitswelt. Umso wichtiger ist daher, welche Regelungen im Rahmen des sozialen Dialogs gefunden werden können. Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen können dort verbindliche Regeln schaffen, wo der Gesetzgeber Lücken lässt – etwa bei Transparenz, Datenschutz, Überwachung, Weiterbildung, Personalgewinnung oder automatisierten Entscheidungen.

Die im Rahmen der Studie ausgewerteten 88 Tarifverträge liefern dafür eine wertvolle Grundlage. Sie zeigen, welche Lösungen bereits funktionieren und welche Ansätze sich für die nationale Tarifpolitik weiterentwickeln lassen. Drei Ziele sollten dabei im Mittelpunkt stehen: frühzeitig handeln statt nur reagieren, die Mitbestimmung der Beschäftigten auf allen Ebenen stärken sowie die Kompetenzen von Beschäftigten und Gewerkschaften im Umgang mit KI gezielt ausbauen.

Diese Empfehlungen der FES sowie die Frage, wie Gesetzgebung, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sinnvoll ineinandergreifen, waren der rote Faden der Diskussion. Vertreter_innen von ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung, Nadine Müller und Stefan Lücking, brachten ihre Perspektiven in die Diskussion in Dijon ein.

Vor den internationalen Delegationen des FO-Kongresses sowie den Vorsitzenden des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), Luc Triangle, und des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Esther Lynch, griff Branislav Rugani, Mitglied des Bundesvorstands von Force ouvrière, die zentrale Botschaft der FES Frankreich auf: „Wir müssen konkrete Antworten auf die Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz geben. Gleichzeitig müssen wir deutlich machen, dass KI längst kein Nischenthema für Expert_innen mehr ist. Sie gehört heute zu den zentralen Zukunftsfragen“.